Kritiken
„Die Baronin und die Sau“
Jule Richter, die in kühler, zunächst recht hölzerner Eleganz die Baronin spielt, ist dort (Stalburg-Theater) unter anderem in der zauberhaften, körperbetonten Drei-Mann-Inszenierung von Shakespeares "Viel Lärm um Nichts" zu sehen. Im Lauf der knapp zwei Stunden inklusive Pause legt sie eine komplexe, zutiefst verletzte Frau frei, die ihre Loyalität vom Gatten ab- und der "Sau" zuwendet - einem jungen Mädchen, das der Baron auch noch missbraucht. Insofern ist das einzige Tier der abwesende Dritte, den die beiden Frauen zu guter Letzt angemessen - und überraschend - entlohnen.
Fast choreographische Abläufe prägen Lehmanns Inszenierung dieser recht sperrigen Groteske. Besonders dann, wenn Uta Köbernick, die auch in ihrem Programm "Sonnenscheinwelt" dem Absurden mimisch begegnet, ihrer "Sau" Emilie Körper und Seele verleiht. Ein Mensch als Tier, kriechend, grunzend, liebesbedürftig und mit zarter Stimme "Mignons Lied" in der Schumann-Vertonung singend: Das ist hart am Unheimlichen, bis Köbernick immer noch rechtzeitig die Kurve zur Komik kratzt.
Überhaupt hat das junge Team Lehmann, Köbernick und Richter, das einen Arbeitsauftrag hatte, noch bevor das passende Stück gefunden war, ein gutes und einvernehmliches Gespür dafür, wie prekäre Balancen zwischen Tragik und Komik, Abgründen und Aufschwüngen zu nehmen seien. Zumal, wenn die beiden Darstellerinnen sich, was einen Moment dauert, warmgespielt haben. Eine elektronische Komposition, die wie durch den Wolf gedreht klingt (Ludwig Berger), legt sich über die Szenen, die auch durch Abblenden strukturiert werden. Das Bühnenbild von Herbert Huber, der schon das Shakespeare-Stück minimalistisch und aussagekräftig gestaltet hat, sorgt buchstäblich für passende Rahmen. Und so kippt auch nichts - selbst wenn es bisweilen fast danach aussieht. Zur Premiere gab es Riesenapplaus.
Eva-Maria Magel (FAZ)
Im Stalburg Theater wurde die Premiere vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Was Schauspielerleistung angeht, völlig zu Recht. Richter und Köbernick wühlen sich voller Lust und Ekstase in ihre Rollen. Dabei zuzuschauen, ist ein großer Spaß.
Dr. Josef Becker (BILD)
Michael Mackenzies Stück erzählt, wie eine philanthropische Baronin den verwahrlosten Findling nach Gutsherrenart zum nützlichen Mitglied ihrer Gesellschaft machen will und dabei selbst eins wird. Kaspar Hauser, Eliza Dolittle und auch Rousseaus Emile stehen Pate bei einer Dressur, die für die Adlige zur Selbsterkenntnis wird - und zur Läuterung führt. Uta Köbenick gibt der instinktgeleiteten Emilie eine starke sinnliche Präsenz. Sie kratzt und keift, sie bellt und beißt, sie schmitzt und schmust so voll und ganz, daß man um sie bangen muß. Und Jule Richter vollzieht einfühlsam den fast unmerklichen Wandel einer Frau aus besseren Kreisen, die nur einmal die Contenance verliert, um dann doch Emilies intimste Freundin zu werden.
Die Inszenierung von Eva Lehmann zeigt mehr als nur eine hintergründige Komödie. Sie ist auch eine Groteske, ein Emanzipations- und Bildungsdrama, ja sogar ein Krimi: Schließlich happy-endet die Geschichte für die frischfrommfrauliche Landliaison mit einem veritablen Mord. Eine Perle ist die säuische Satire auf jeden Fall.
Winnie Geipert (Strandgut)
„Viel Lärm um nichts“
Mit "Viel Lärm um nichts" hat sich Regisseur Manfred Roth genau die richtige unter Shakespeares Komödie ausgesucht, für die kleine Bühne und ihr Publikum, aber auch, um seine Darsteller Jule Richter, Nenad Šmigoc und Heinz Harth ihre Schauspielkunst und ihr Können ganz entfalten zu lassen. Den Besetzungszettel kann man sich getrost schenken, denn die beinahe tänzerische Leichtigkeit, mit der die Schauspieler in Sekundenbruchteilen in Körperhaltung und Sprachgestus und mit ein paar Requisiten die Charaktere wechseln, ist schlichtweg famos.
Wie bis in die Haarspitzen akrobatisch etwa Jule Richter von der kecken Beatrice zum zähnebleckenden Jung-Graf-Schnösel Claudio wird, von dort die Häkelmütze des Kleinganoven Branchio aufsetzt, um Heinz Harth, der vom guten Prinz Pedro zum bösen Halbbruder John wird, die Perücke zu reichen, die ihn zu einer der Kanzlerin verblüffend ähnelnden Hero macht, das hat schon Klasse.
Eva-Maria Magel (FAZ)
Die multiple Rollen- Rochade geht soweit, dass die Schauspieler in manchen Szenen buchstäblich sich selbst gegenüberstehen. Bei aller Skurrilität driftet die Stimmung jedoch nie komplett ins Groteske ab. Ergreifend etwa stellt Jule Richter den Moment dar, in dem die sonst aufsässige Beatrice von der Einsicht ihrer Liebe zu Benedick überwältigt wird.
Kai Stoppel (Journal Frankfurt)
Anfangs weiß man nicht, wo einem der Kopf steht. 3 Schauspieler teilen sich alle Rollen, wechseln sekundenschnell Charaktere, verkörpern mitunter 2 gleichzeitig, wild durcheinander Männer, Frauen, zum Brüllen komisch und bitterernst.
Der Abend gelingt dank der irren Wandlungsfähigkeit der Schauspieler, traumwandlerischer Präzision. Jule Richter, Heinz Harth und Nenad Smigoc sorgen für purstes Vergnügen.
Dr. Josef Becker (BILD)
„Herzscheisse“
Eine alltägliche Geschichte, wie sie Herl in seinen Stücken als wundersam im grauen Alltag vorgefundene Perlen liebt. Allein, so fragt man sich zuweilen im Lauf der knapp zwei Stunden, warum ausgerechnet Tanja Schmidt, warum dieses Theater? (...) Dass die Idee den Abend dennoch trägt, ist insofern fast ein kleines Wunder und ist mehr noch als Smigocs klug mit der Dramaturgie der Songlist spielender Inszenierung vor allem Jule Richters Tanja Schmidt zu verdanken.
Wie sie zwischen Gepäckausgabe und Raucherkabine am Flughafen mit sich und der Welt ins Gericht geht; wie sie mal mit den Songs im Ohr - und also aus dem Off - , mal selbst zur Gitarre von heimlicher Hoffnung und überhaupt von dieser Sehnsucht nach der Liebe erzählt, kann zwar das Stück nicht retten. Aber Richter trifft einen Ton. Tanja Schmidt gewinnt allmählich Kontur. Auch wenn die Musik derlei genau betrachtet nicht bedarf, reicht es für einen unterhaltsamen, mehr heiter als melancholisch grundierten Abend.
Christoph Schütte (FAZ)
Geistreich ist der Abend unter der Regie von Nenad Smigoc auf jeden Fall. Das Herz von Tanja Schmidt, Protagonistin eines Dannen-Songs, ist ziemlich ramponiert. Nun sitzt sie in der Flughafenlounge und räsoniert über die Fehler, die entweder sie oder der jeweilige "er" in der Vergangenheit gemacht hat. Jule Richter bestreitet den Abend allein und muß allerhand leisten: Sprechen, Singen, Rauchen, manchmal gleichzeitig. Sie reüssiert durchaus virtuos.
Joachim Schreiner (FNP)
„Tote Maus für Papas Leben“
... das Theaterhause Ensemble spielt die Geschichte ... mit sparsamsten Mitteln, aber einem (auch tierischen) Körpereinsatz, der dem jungen Publikum hörbar Freude macht ... Feste Rollen gibt es nicht, die sechs Darsteller sind mal Mutter, mal Kiki, mal Hund Mona - oder gleich ein ganzes Hunderudel. So wiegt das ernste Thema nicht zu schwer. Leichtfüßig ist dieses Theater, mit blitzschnellen Szenen- und Rollenwechseln, derben Späßen, einer richtigen kleinen Eingebildete-Schnepfe-Choreografie.
Frankfurter Rundschau
„Erika Mann - Unterwegs an allen Fronten“
Die Art und Weise wie Jule Richter Erika Mann auf der Bühne darstellte, schien eines der sechs Kinder des Nobelpreisträgers für Literatur wieder lebendig sein zu lassen. Richter verstand es mit Leichtigkeit, den gelebten Enthusiasmus der Dichterin zu beschreiben. Sie hätte Erika Mann in Person sein können, so authentisch spielte und sah Richter der politisch engagierten Frau ähnlich.
Corinna Neuer (BNN)
"Gleich zum Auftakt erfuhr das Publikum, warum die streitbare Tochter Thomas Manns sich dauernd überall eingemischt hatte: Es war "mein hartnäckiger Glaube an einige grundlegende Ideale - Wahrheit, Ehre, Anstand, Freiheit, Toleranz". Letztere fiel ihr selbst schwer. Erika Mann ließ niemandem etwas durchgehen. (...) Aber Jule Richter wirbt um Verständnis. Mit Briefen und Gedichten, mit Lichtbildern und Reiseschreibmaschine macht sie das Leben ihrer unbehausten Amazone für einen menschlichen Umgang miteinander nachvollziehbar. (...) Eine gelungene Lebensgeschichte.
Claudia Schülke (FAZ)
„Was Ihr Wollt“
Es ist das ständige Oszillieren, das subtile Schweben, was den Reiz dieser Dreieckskonstellation ausmacht. Paul Steinbach als Orsino, Evelyn Nagel als Olivia und vor allem Jule Richter als Viola spielen das Spiel der Täuschung, Verwirrung und Verkennung virtuos.
Sibylle Orgeldinger (BNN)
Ob Jule Richter als verliebte Viola, Nikolaus Szentmiklosi und Fridolin Richter als unnachahmliche Saufkumpane mit handfester Philosophie oder Tobias Gondolf als weiser Narr - alle spielen sie ihre Figuren mit einer solchen Leichtigkeit und Intensität gleichermaßen, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.
Andreas Buchta (Offenburger Tageblatt)
„Der Traum vom Fliegen“
Jule Richters Glanzleistung, das Hoffen und Wünschen, Sehnen und Streben der Chansonsängerin in ruhigem, unaufgeregtem Ton, mit in die Ferne gestelltem Blick und einer tiefen, klaren Stimme wiederzugeben, verdiente den großen Applaus.
Christiane Barth (Rhein-Neckar-Zeitung)
Im Mittelpunkt steht allein Alexandra, ihr Leben, ihre Lieder und ihr Wesen: zart, zerbrechlich, wild, still, ängstlich und verträumt. Jule Richter lebte all diese Facetten in dem 90-minütigen Liederabend in Buchen überzeugend aus. Ein übriges tat ihre dunkle, melancholische und tiefe Stimme, die ebenfalls sehr an Alexandra erinnerte.
Joachim Casel (Fränkische Nachrichten)
Jule Richter schlüpft für 90 Minuten in die Haut von Alexandra. Sie plaudert anfangs unbekümmert, kämpft sich dann durch den Strudel der Gefühle und mimte schließlich überzeugend innere Zerissenheit gepaart mit glücklicher Erschöpfung. Stark gelangen die Momente, in denen Richter sich erzählend dem Leben des Stars näherte: hier wurden die Brüche, die Ängste und tiefen Sehnsüchte spürbar.
Ute Baumeister (BNN)
Jule Richters tiefe und tragende Stimme, die nur einer leichten elektronischen Verstärkung bedurfte, faszinierte gleichwohl.
Dorothee Roos (Kulturabteilung Mosbach)
„Hotel Paraiso“
Dreh- und Angelpunkt ist Kathi, die gerade erwachsen gewordene Tochter des Ehepaars Verena und Günther Neuwirth. Jule Richter verkörpert mit schmerzlicher Eindringlichkeit ein kluges junges Mädchen, das sich ungeliebt fühlt und den Erwachsenen daher einen schwarzen Spiegel hinhält. Sie durchschaut und benennt mit schockierender Frechheit deren Spiele und ist dabei verletzend wie eine Glasscherbe.
Christoph Roos (Kulturabteilung Mosbach)
Jule Richter spielt ihre Rolle als verletzte, beschämte und mißbrauchte Tochter zwischen den beiden Fronten mit Bravour. Der Zuschauer kann sich an ihren Wechselbädern aus Wut, Verzweiflung und genialem Durchblick reiben, sie in gleichen schnellen Wechsel für kindisch, verzogen und überspannt halten.
Schwäbische Zeitung
...der mittlerweile achtzehnjährigen Tochter Katharina, eindrucksvoll von Jule Richter in zahlreichen höchst dramatischen Auftritten, auch öfters im besonders applaudierten Monolog, in Szene gesetzt.
Wolf Wiechert (Fränkische Nachrichten)
„Der Mensch, das Tier und die Tugend“
Hervorzuheben ist auch Jule Richter, die gleich zwei Dienstmädchen verkörpert: die eine quirlig und frech, die andere träge und einfältig. Der Zuschauer darf sich fragen, was schwieriger ist – flinkes Herumturnen oder Schlurfen in Zeitlupe.
Sibylle Orgeldinger (BNN)
„Stop the tempo!“
In Bruchsal geht das Stück nicht zuletzt deshalb auf, weil die Spielfreude der drei „Stromwerker“ überbordend ist: Jule Richter ist der gelebte Zweifel zwischen elterlicher Erwartung und verklemmten Befreiungsversuch.
Ralf-Carl Langhals (Theater der Zeit)
Jule Richter gibt sehr stimmig die innere Widersprüchlichkeit in der Figur der Maria wieder, die sich einerseits aus dem Korsett ihrer kleinbürgerlichen Träume befreit, andererseits aber nur in neue Zwänge begibt.
Michael Hübl (BNN)
„Hamlet“
Ophelia verliert in einer von Jule Richter überzeugend und anrührend gespielten Szene wie später Gretchen im „Faust“ den Verstand.
Ursula Richter (Hohenloher Tageblatt)
„Bravi“ gabs für Jule Richters Ophelia.
Barbara Nolten-Casado (Rhein-Neckar-Zeitung)
Ganz von Gefühlen gesteuert ist Ophelia, als die Jule Richter in knallroter Bluse und Aufschlagjeans auf der Bühne stand. Stark und zutiefst anrührend gelang ihr die Szene, in der sie in monotonen Singsang ihren toten Vater betrauerte.
Monika Fischer (Schwäbische Zeitung)
Trotzdem war es nicht so, daß die anderen Akteure Hamlet nur zuarbeiteten: Vor allem Ophelia (Jule Richter) erinnerte in Entwicklung bis zum Wahn an Faustens Gretchen. Es gab langen herzlichen Applaus.
Manfred Stock (Fränkische Nachrichten)
Diese Aufgabe meistert Jule Richter als Ophelia weit besser, sie zeigt einen Übergang von anfänglicher Naivität über wehmütige Irritation bis hin zum Wahnsinn.
Michael Hübl (BNN)
„Igraine Ohnefurcht“
So wie die Autorin zeigt, daß nichts unmöglich ist, so ist auch ihre Hauptperson Igraine Ohnefurcht (Jule Richter): Mit Witz und Charme führt sie den Kindern vor, daß alles möglich ist, vorausgesetzt, man will es wirklich, ist mutig, clever- und ziemlich dickköpfig.
jo (Grüne Woche)
„Pinocchio“
Die Titelrolle spielte Jule Richter mit dem rechten Maß an spitzbübischem Draufgängertum.
Monika Everling (Haller Tageblatt)